Am Freitag, dem 12. März 2010 fand in Stendal (Sachsen-Anhalt) ein Neonaziaufmarsch statt. Wir wollen mit diesem Beitrag auf die Mobilisierung, die Gegenaktivitäten und dem Aufmarsch im Allgemeinen eingehen.

Das Jahr 2010 scheint für Neonazis ein Jahr der „Trauer“ zu sein. Nachdem in Magdeburg, Dresden und Chemitz sogenannte „Trauermärsche“ stattfanden beziehungsweise es den Versuch gab, wollten die sogenannten „Autonomen Nationalisten Stendal“ auch auf den Zug springen. Diese meldeten mit Unterstützung der „Freien Kräfte Magdeburg“ (zu diesen hauptsächlich Fabian T. gehört) einen Aufmarsch am 12. März 2010 in Stendal an. Unter dem Motto „Wider das Vergessen“ wollten diese vom Bahnhof aus 7 Kilometer durch die Stadt ziehen. Das dies verwehrt wurde, ist der antifaschistischen Intervention an dem Tag zu verdanken.

::: Mobilisierung :::

Da die Anmeldung dieses Aufmarsches erst eine Woche vorher bekannt wurde, war es nicht möglich von antifaschistischer Seite her eine große Gegenmobilisierung durchzuführen. Aus diesem Grund lag die Mobilisierung hauptsächlich bei Internetbeiträgen und Mund-zu-Mund-Propaganda. Nachdem die Route der Neonazis einige Tage später bekannt wurde fand eine Anmeldung einer Gegenkundgebung auf dem Stendaler Sperlingsberg statt. Dieser ist in unmittelbarer Nähe zu dem Neonaziladen „Explosiv“, der von Axel Kopelke betrieben wird. Ebenfalls lag die Kundgebung in unmittelbarer Nähe zur Neonaziroute. Durch die Anmeldung einer Kundgebung gab es in Stendal einen festen Anlaufpunkt für Antifaschist_Innen. Etwa 100-150 Personen sammelten sich so, trotz der kurzen Mobilisierung auf dem Sperlingsberg. Dabei war zu Beobachten, dass hauptsächlich Personen aus dem nördlichen Sachsen-Anhalt vor Ort waren. Mit einer Mobilisierung von etwa 30 Antifaschist_Innen aus dem Jerichower Land können wir ebenfalls sehr zufrieden sein.

::: Neonaziaufmarsch :::

Trotz der internen Mobilisierung fanden sich gegen 17:00 Uhr etwa 80 Neonazis am Stendaler Bahnhof ein. Unter ihnen auch etwa 4 Neonazis aus dem Jerichower Land. Dass die Organisatoren des Aufmarsches, David K. und Florian T. völlig überfordert waren, merkte man schnell. Es gab kein Lautsprecherwagen, die Ordner mussten vor Ort erst ausgesucht werden, ein Transparent was die „Freien Nationalisten Altmark West“ zur Verfügung stellten traf erst viel später ein, sodass sich der Beginn des Aufmarsch um fast zwei Stunden verzögerte. Gegen 19:00 Uhr bewegten sich die Nazis vom Bahnhof über die Bahnhofstraße Richtung Frommhagenstraße. Nach einem Angriff auf die Neonazis und einer Blockade mussten diese in der Frommhagenstraße etwa 20 Minuten warten. Zu diesem Zeitpunkt kamen die Neonazis etwa 400 Meter voran. Nachdem sich die Polizei dazu entschloss die Blockade nicht zu Räumen wurden die Neonazis über die Nicolaistraße wieder zurück zum Bahnhof geleitet. Dort hielten die Neonazis noch durch ein Megaphon einen Redebeitrag durch und verließen die Stadt wieder.

::: Gegenaktivitäten :::

An einer Kundgebung unter dem Motto „Dem Geschichtsrevisionismus ein Ende setzen Antifaschismus durchsetzen!“ auf dem Stendaler Sperlingsberg versammelten sich bis zu 150 Antifaschist_Innen. Es wurden Redebeiträge verlesen, Informationskarten für den Tag verteilt und an einem Infostand konnte man sich über Themen wie Antirepression, Antifaschismus und Antikapitalismus informieren. Die Kundgebung lag in unmittelbarer Nähe zum Naziladen „Explosiv“. Dieser wurde laut lokaler Presse mit Steinen im Laufe des Tages angegriffen, sodass mehrere Scheiben kaputt gingen. Eine Gruppe von etwa 15 Antifaschist_Innen bewegten sich unter Parolen wie „Alerta Alerta Antifascista“und einem Transparent auf dem stand „Klassenkampf statt Vaterland!“ in Richtung der Nazis. Auf der Gegenüberliegenden Straßenseite zeigten diese ihren Protest lautstark den Nazis. Von den Gleisen aus wurden die Nazis mit Steinen und Raketen angegriffen. Eine Spontandemo von etwa 70 Antifaschist_Innen machte sich vom Sperlingsberg in Richtung der Neonazis auf. Diese wurde allerdings von der Polizei gestoppt. Daraufhin gingen sieben Polizeiwagen kaputt. Eine Blockade am Wernerplatz sorgte dafür, dass die Nazis wieder zurück zum Bahnhof geleitet wurden.

::: Fazit :::

Trotz des kurzen Mobilisierungs- und Organisationszeitraumes für Gegenaktivitäten kamen bis zu 150 Antifaschist_Innen nach Stendal. Der Aufmarsch konnte dank der Entschlossenheit und des zum Teil militanten Vorgehens nach kurzer Strecke gestoppt werden. Leider gab es auch mehrere Festnahmen durch die Polizei. Wir werten die Aktionen gegen den Aufmarsch in Stendal als einen weiteren Erfolg für die antifaschistische Bewegung in Sachsen-Anhalt. Wir konnten erneut zeigen, dass es kein ruhiges Hinterland für Neonazis gibt. Dennoch gilt es sich nicht auf diesem Erfolg auszuruhen.