Archiv für Februar 2009

Im Jahr 2009 angekommen versuchen Rechtsextremisten der „Freien Nationalisten Dessau und Anhalt – Bitterfeld“ auch in Dessau-Roßlau die Bombardierung der Stadt am 07. März 1945 im Terminkalender der Neonaziszene zu etablieren. Fakten- und realitätsresistent thematisieren Neonazis bundesweit die kriegsnotwendigen Angriffe deutscher Städte und erklären sie zu alliierten Angriffskriegen oder wahlweise zum „Bombenholocaust“. Die Schuld an industriell organisiertem Massenmord wird dabei von Neonazis relativiert, um sich selbst mit ihren ideologischen „Volksgenossen“, infolge der militärischen Zerschlagung Nazideutschlands, als Opfer von Schicksal und Unrecht präsentieren zu können. Außer Acht wird dabei gelassen, dass der Krieg, der von deutschem Boden ausging, lediglich zum Verursacher zurückkehrte.

…kein unschuldiges Opfer!
Im Land Anhalt stellte Dessau auch aufgrund früh entwickelter völkisch-nationaler Strukturen und organisiertem Antisemitismus ein bedeutendes Verwaltungszentrum des Gaues „Magdeburg-Anhalt“ dar, dessen Gauhauptstadt Dessau später auch wurde. Bereits bei den Wahlen 1932 wurde die NSDAP als stärkste Fraktion in Anhalt gewählt und konnte demnach auf den Rückhalt der Bevölkerung zählen. Nationalsozialistische Funktionäre wie Gregor Strasser (SA-Führer), Joseph Goebbels, Adolf Hitler u.a. waren geladene Gäste in Dessau, und erhielten, u.a. im Kristallpalast der Stadt, stehende Ovationen von den zigtausend Sympathisant_Innen. Am 01. April 1933 erging der erste öffentliche Boykottaufruf gegen jüdische Geschäfte, Arztpraxen und Handwerkerbetriebe. Am 09. November brannte auch in Dessau die Synagoge und der israelitische Friedhof wurde geschändet. Nachdem alle in Dessau verbliebenen Jüd_Innen in einer Tageszeitung mit Namen und Adressen, in Form eines offenen Pogromaufrufs, veröffentlicht wurden, folgten Plünderungen und Zerstörungen jüdischer Geschäfte. Mit der Machtergreifung richtete sich die brutale Gewalt des Naziregimes gegen alle nicht faschistischen Kräfte.

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Am Samstag, dem 18.April 2009 findet in Burg eine Antifaschistischen Demonstration um 12:30 Uhr statt. Weitere Infos auf der Sonderseite

Ob Kundgebungen, Aufmärsche oder Übergriffe auf MigrantInnen und Andersdenkende. Die Liste von Naziaktivitäten in Burg und Umgebung in den vergangenen Jahren ist lang und sie spiegelt wieder, wie sich die rechte Szene in der Region etabliert hat. Es gibt Kneipen, Bar´s und Diskotheken in denen über die Hälfte der anwesenden Personen Neonazis sind. Mittlerweile gibt es so gut wie keine Möglichkeit mehr, Veranstaltungen, Parties oder Konzerte in Burg aufzusuchen, die nicht von Nazis besucht werden. Dabei finden Konzerte mit bis zu 250 Neonazis regelmäßig statt – im Zuge dessen, werden antifaschistische Veranstaltungen, wie ein Konzert Anfang November 2008 verboten. Grund für das Verbot war, nach Angaben der Stadt und Behörden ein polizeilicher “Notstand”. Mit Verboten, wie diesen betreibt die Stadt Politik im Sinne der Nazis. Betrachtet man diese Zustände gesamtgesellschaftlich, sind dies Auswüchse einer rassistischen und nationalistischen Denkensweise vieler. Des weiteren sind xenophobe und autoritäre Einstellungen besonders in ländlichen Regionen, wie dem Jerichower Land verbreitet. Als wäre dies nicht genug, verzeichnen Studien eine stetig wachsende Akzeptanz für nationalistische, antisemitische und rassistische Weltanschauungen in der bürgerlichen Gesellschaft. Mit der Demonstration in Burg wollen wir nicht nur gegen Naziaktivitäten und Strukturen vor Ort demonstrieren, sondern auch der Provinzidylle zwischen Akzeptanz und Wegsehen mit einem linksradikalen Antifaschismus begegnen. Einem Antifaschismus, der sich nicht in kollektiven Anti-Nazi-Bekenntnissen von SPD bis CDU einreihen lässt.

Antifaschistische Demonstration
18.April / 12:30 Uhr / Bahnhofsvorplatz / Burg (b. Magdeburg)

Bereits am 24. Januar 2009 veranstalteten Rechtsextreme wiederholt in Genthin ein Neonazikonzert. In der Tanzbar „Neue Welt“ in Genthin/Altenplathow fand nicht die erste Musikveranstaltung der rechten Szene statt, wie der Pressesprecher des zuständigen Polizeireviers bestätigt. Bereits am 31. Oktober 2008 hatte die Polizei eine ähnliche Veranstaltung in den selben Räumlichkeiten aufgelöst. „Diesen Veranstaltungsort können Sie privat anmieten!“, preist die Inhaberin im Internet an. Noch im Frühjahr 2008 hatte die regionale Neonaziszene ein als „Baracke Genthin“ bekanntes Objekt als „nationalen Jugendclub“ angemietet und dort ebenfalls versucht Rechtsrockkonzerte zu veranstalten. Nach der Kündigung des Mietvertrages ist das Problem offensichtlich nicht verschwunden.

Glaubt man den ausschweifenden „Erlebnisberichten“ einschlägiger Neonaziforen, sollen am 24. Januar 2009 zwischen 200 und 270 Rechtsrockfans ein „Konzert in Sachsen Anhalt mit Bloodline, Die Barbaren, Preussenstolz, White Society und White Blizzard“ genossen haben. Vor 22.00 Uhr soll die Musikveranstaltung begonnen haben. „Soweit eine gelungene Veranstaltung“ resultieren Neonazis den Abend. Ein User der sich als Sänger der NS-HC-Band (nationalsozialistische Hardcore-Band) „Bloodline“ ausgibt meint dazu: „Der Abend war sehr lustig das Bier floß in strömen super Lokal gewählt und keinen Ärger.“

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Meta

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