Am Abend des 25.November 2007 demonstrierten etwa 500 Menschen im sächsischen Mittweida gegen den anhaltenden Naziterror in der Region. Der konkrete Anlass für diese Demonstration war ein Übergriff, der bereits am 3.November 2007 stattgefunden hatte.
Vier Neonazis belästigten an diesem Tag vor einem Supermarkt, inmitten eines dichtbesiedelten Wohngebietes, ein sechsjähriges Mädchen, welches aus einer Spätaussiedlerfamilie stammt. Eine 17-jährige Frau, welche diesem Mädchen zu Hilfe kommen wollte, ist von den Nazis zu Boden geworfen worden. Anschließend wurde ihr mit einem messerähnlichen Gegenstand ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt. Der Versuch, der jungen Frau eine Rune ins Gesicht einzuritzen, misslang zum Glück wegen ihrer heftigen Gegenwehr. Der Übergriff geschah inmitten eines belebten Wohngebietes. Die AnwohnerInnen, die das Geschehen von ihren heimischen Balkonen verfolgten, hielten es nicht für nötig einzuschreiten oder die Polizei zu informieren. Die junge Frau war von dem Übergriff so traumatisiert, dass sie sich erst drei Wochen nach dem Vorfall ihrer Mutter offenbarte. Mittlerweile ermittelt die Polizei gegen Unbekannt.
Archiv für November 2007
Auch in diesem Jahr, und somit zum fünften mal in Folge, versuchen Berliner Neonazis am 1. Dezember für ein rechtes Jugendzentrum durch Schöneweide und Rudow zu marschieren. Bereits in den Vorjahren gelang es ihnen nicht, ungestört durch die Bezirke zu ziehen. So sah sich jedes mal ein kleiner Haufen von rund 200 Neonazis aus Berlin und Umland bis zu tausend GegendemonstrantInnen gegenüberstehen. 2006 gelang es diesen, für mehrere Stunden den Aufmarsch von beiden Seiten zu blockieren. Dennoch schafften es die Neonazis, sich mit Hilfe der Berliner Polizei bis zum U-Bhf. Rudow durchzuschlagen.
In dem Kurzaufruf der Nazis hat sich zu den Vorjahren inhaltlich wenig getan. Noch immer steht der Aufmarsch unter dem Motto: „Für ein nationales Jugendzentrum in Treptow – Freiräume schaffen – nationale Zentren erkämpfen“. Was zunächst verwirrend klingt, -wie soll ein nationales Zentrum einen Freiraum darstellen?- wird bei genauerer Betrachtung deutlich. Die Neonazis meinen mit Freiräumen Orte, an denen sie unwidersprochen ihre nationalsozialistische Propaganda verbreiten können und wo sie die Entwicklung von Jugendlichen maßgeblich zugunsten ihrer rückwärtsgewandten „Werte“ und menschenverachtenden Ideologie beeinflussen können. Sie schreiben, dass sie dort „mit vielen Gleichgesinnten zusammen selbst aktiv werden und handeln“ wollen. Was es konkret bedeutet, im Sinne ihrer rechtsextremen Argumentation aktiv zu werden, hat die Geschichte gezeigt. Auch heutzutage gehen Neonazis noch immer gewalttätig gegen Andersdenkende und -aussehende vor. Das verwundert auch nicht, ist dies doch elementarer Bestandteil ihrer Ideologie. Leittragende sind hierbei Menschen, die nicht in ihr streichholzschachtelgroßes Weltbild passen. Mit vereinfachten Erklärungen und einem falschen Weltbild versprechen die Neonazis „Perspektiven“ für Jugendliche und versuchen damit, lediglich neue AnhängerInnen zu rekrutieren. Solch ein Zentrum soll als Rückzugsraum und berlinweiter Anlaufpunkt dienen, um eine rechte Hegemonie im Bezirk zu fördern, die für manche Teile der Bevölkerung zum Teil schon existiert. Beispielsweise für Betroffene rechter Gewalt an Orten wie dem S-Bhf. Schöneweide oder der Rudower Spinne in Form von Angstzonen. Dass es einen rechten Anlaufpunkt bereits im Berliner Südosten gibt, nämlich mit der NPD-Bundeszentrale in Berlin-Köpenick, ist unakzeptabel. Die Nazis formulieren in dem Aufruf ihre Vorstellungen und Forderungen bewusst unkonkret und euphemistisch. Denn was für positive Werte haben Neonazis schon an Jugendliche zu vermitteln? Sie wollen eine gleichgeschaltete, autoritätshörige, uniforme Zwangsgemeinschaft von Jugendlichen mit festgelegtem Alltag und Lebenslauf. Ihr Weltbild fußt auf Ausgrenzung und Gleichschaltung. Statt einer linken, emanzipatorischen, selbstbestimmten Verwirklichung aller jungen Menschen zu freien Individuen, streben sie eine „volksbewusste Entwicklung“ an, in der Disziplin, Ordnung, Untertanen-Geist, und „völkische Reinheit“ der „deutschen Jugend“ vorherrschen. Alle anderen Jugendlichen würden, zum Feindbild deklariert, noch häufiger Opfer des „aktiv Werdens und Handelns“ der Neonazis werden.
Den ganzen Aufruf gibt es hier!
Demonstration „Antifa-Event statt Nazi-Advent! Naziaufmarsch sabotieren!“
Treffpunkt: Freitag, 30. November 2007 um 19 Uhr
Ort: U-Bhf Zwickauerdamm
Kundgebung und dezentrale Aktionen gegen den Naziaufmarsch!
Treffpunkt: Sonnabend, 1. Dezember 2007 um 10.30 Uhr
Ort: U-Bhf Rudow
Aktuelle Infos findet ihr unter www.antifa-dezember.de.vu
Am Samstag (10.November 2007) kam es in Ziegelsdorf bei Burg zu einem größeren Zusammentreffen von Neonazis. Dabei wurden nationalsozialistische Parolen gegrölt und Nazi-Musik gehört. Anwohner beschwerten sich über den Lärm und riefen die Polizei an. Nachdem die Polizei das Haus betrat, in dem sich die Neonazis befanden und diese aus dem Haus führen wollten, kam es zu einer verbalen und körperlichen Auseinandersetzung. Die Polizisten wurden von den Neonazis körperlich angegriffen, woraufhin die Bullen Pfefferspray einsetzten. Bei der Räumung des Gebäudes kam es dazu, dass 3 PolizistInnen verletzt wurden. Nachdem das Gebäude mit den Neonazis geräumt wurde, nahm die Polizei von allen Nazis die Personalien auf und es wurden Platzverweise ausgesprochen. 6 Neonazis wurden dabei festgenommen.
Die Gegend um Ziegelsdorf, Grabow und Theesen ist bekannt für Naziaktiviäten. So existierte vor nicht langer Zeit in Grabow ein fester Treffpunkt der Nazis, in dem Konzerte stattfanden. Dieser Treffpunkt war eine ausgebaute Scheune auf einem Privatgelände. Diese ist aber wieder geschlossen. Von diesem Ort aus, ging auch der Angriff auf eine Geburtstagsfeier in Gerwisch im Oktober 2006 aus. (LINK)
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